Es ist bald wieder soweit. Die Tour de Fleece steht vor der Tür. Vom 04. bis 26. Juli 2026 setzen sich Menschen mit liebe zu Fasern an die Spinnräder und Handspindeln. Dabei kann man selbst entscheiden ob nur so vor sich hingesponnen wird, an einen Projekt gearbeitet wird oder ob man neue Techniken ausprobiert.
Gerüchte zu folge soll zu der Zeit auch irgendwo ein Fahrradrennen statt finden. Wer weiß das so genau…
Diese Jahr möchte ich auch endlich mal mit machen und ich habe auch bereits ein Ziel dafür.
Letztes Jahr und auch wieder in diesem Jahr habe ich etwas mit Solarfärben experimentiert. Dabei habe ich Eiderwolle unter anderen mit Zwiebelschalen, Avocados, Salbei und Löwenzahnblüten gefärbt – mehr oder weniger erfolgreich. Gerne mache ich darüber noch einen eigen Blogbeitrag. (Pflanzenfärben war in nicht all zu naher Zukunft eh geplant. Ihr kommt so oder so also nicht drum rum.)

Diese Eiderwolle habe ich bereits spinnfertig im Kammzug gekauft. Nach dem Färben waren die Fasern etwas kompakt und teilweise etwas angefilzt. Ich konnte die bestimmt noch verspinnen, aber ich wollte unbedingt noch eine andere Verarbeitungsmethode für Fasern ausprobieren, das Kardieren.
Beim Kammzug liegen die Fasern alle hübsch in der gleichen Richtung nebeneinander. Damit kann man ein schön glattes festes Garn spinnen. Kardiert man Wolle liegen die Fasern eher grob in der selben Richtung und einige liegen immer noch kreuz und queer. Das Garn wird dann eher fluffig und weicher. (Dazu kommen noch die verschiedenen Spinntechniken, Vor- und Nachbearbeitungen und so weiter.)
So weit die sehr allgemeine Theorie. Auf gehts zur Praxis!
Die Wolle, die ich diese Jahr gefärbt habe möchte ich gerne noch kadieren und ich nehm euch heute mit.

Ein Teil der Wolle habe ich bereits letztes Jahr mit Handkarden bearbeitet. Zum Ende des letzten Jahres habe ich mir dann auch ein kleines Kardiergerät geschenkt, den Hero von Woolmakers. Von denen habe ich bereits mein Spinnrad.

Die Ikea-Optik ist vielleicht erstmal etwas gewöhnungsbedürftig, aber die Qualität ist top und der Preis auch noch günstig. Perfekt für eine Einsteigerin wie mich.
Hinter der Marke steht übrigens die Firma Louët, die ein renommierter Hersteller von Spinnrädern ist.
Zurück zum Kadieren. Handkarden benötigen eine gewisse Technik, die ich auch noch unzulänglich beherrsche, und es braucht auch Zeit. Besonders bei große Mengen Wolle ist so ein Kardiergerät hilfreich.

Das Kadiergerät besteht aus zwei Trommeln, die beide mit Metallnadeln bestückt sind, die jeweils in eine Richtung gebogen sind. Mein Kardiergerät hat eine Benadelung von 72 tpi (Teeth per Inch – Zähne per Quadratoll).

Die große Trommel wird mit einer Kurbel im Uhrzeigersinn gedreht und die Kleine läuft langsamer in die andere Richtung mit. Meine muss ich noch per Hand drehen. Es gibt aber auch Kadiergeräte bei denen das elektrisch geht.
Die Fasern werden entweder vorne unter die kleine Trommel eingeführt oder direkt auf die große Trommel gegeben. Je nachdem kann man etwas mit verschieden gefärbter Wolle oder Faserarten spielen und kreativ sein.


Die fertige Wolle landet auf der großen Trommel, weil auf der kleinen die Knötchen und kleinere Fasern landen.
Auf diese Trommel passt glaube ich ca. 25 Gramm Wolle, vielleicht auch etwas weniger. Wenn die Trommel voll ist, hebt man die Wolle mit einer Ale an und zieht sie behutsam in (hoffentlich) einem Stück von der Trommel. Nur noch zusammen rollen und man hat ein fluffiges Batt. (Das heißt wirklich so.)




Ich habe die zwei verschieden gefärbten Kammzüge einmal einzeln zu jeweils einen Batt kadiert und dann immer miteinander gemischt wie es mir gerade gefiel.
Obwohl es doch schneller geht als mit den Handkarden braucht man etwas Geduld. Ist die Wollportion die man den Gerät füttern möchte zu dick oder nicht genug aufgelockert, bleibt das schonmal zwischen den Trommeln hängen und man muss mit viel Kraft die Kurbel drehen damit sich was bewegt. Ist man auch zu unvorsichtig landet plötzlich zu viel Wolle auf der kleinen Trommel. Wie bei allem braucht es etwas Übung und Fingerspitzengefühl.
Nachdem die ganze Wolle kadiert wurde, habe ich jetzt sechs fluffig weiche Batts. Das letzte ist etwas kleiner, denn da war die Wolle aus.

Ich freu mich schon richtig die Batts anspinnen zu können. Bis jetzt habe ichhauptsächlich mit Kammzügen gesponnen und ich denke das Gefühl und die Handhabung wird ganz anders sein. Ich hatte letztes Jahr schon probeweise die handkadierte Wolle angesponnen, war aber noch nicht ganz überzeugt. Es mag auch an meiner unzureichenden Kadiertechnik gelegen haben.
Ich hoffe euch hat der kleine Schulderblick gefallen und ihr habt mein Info Dumping ertragen können. Es gibt noch so viel mehr zu erzählen und ich hoffe ihr seid das nächste mal wieder dabei.
Wenn Ihr Fragen zu dem Kadieren oder anderen Dingen rund um Wolle habt, schreibt sie mir in die Kommentare. Ich bin selbst noch enthusiastischer Anfänger, aber wo ich kann gebe ich gerne Antwort.
Bis zum nächsten Mal.
Eure Rose.
Alle hier gezeigten Geräte und Wolle habe ich selbst gekauft und werde auch nicht dafür bezahlt darüber zu berichten. Nur Rose die Rose Dinge tut.



Hinterlasse einen Kommentar