Man ist ja gewohnt von mir, das ich etwas länger brauche um ein Projekt fertig zu bekommen.
Es ist etwas nervig, aber ich komme damit soweit gut klar. Es ist meine Freizeit und es bringt mir Freude diese Projekte zu machen. Und das soll immer im Vordergrund stehen. Fristen und Termine habe ich genug auf Arbeit.
Nichts desto trotz bin ich immer besonders Erleichtert und froh wenn ich ein Projekt abschließen kann. Und sie dann natürlich auch endlich tragen beziehungsweise nutzen zu können.
Dieses Kleid hatte ich in Spätsommer 2025 angefangen, also noch gar nicht so lange her, wenn man bedenkt welche Altlasten hier sonst noch rumliegen…
Vernäht habe ich das Given a Chance Dress Schnittmuster von Decades of Style aus Ihrer Decades Everyday Serie. Decades of Style ist ein kleines US Lable auf die ich über Ihre eigentliche Nische gestolpert bin, und zwar Schnittmuster für Mode aus den 1920ern bis 1950ern. Ein paar habe ich bereits genäht, viele andere stehen noch auf der Liste.
Den Schnitt habe ich als E-Pattern also als PDF erstanden, ausgedruckt und zusammengeklebt. Dazu gibt es eine ausführliche Nähanleitung, die ich vom Tablet aus genutzt habe.
Der Schnitt ist vielleicht etwa ungewöhnlich für mich. Ich steh ja eher auf Vintage Mode wenn ich etwas für mich nähe und dieses Schnittmuster ist jetzt doch recht modern. Die Auswahl ist meinen gut angewachsenen Stofflager zu verdanken. Ich möchte gerne etwas Stash abbauen (sprach sie, wahrend eine neue Lieferung vom Lieblingsonlineshop bereits auf dem Weg war).
Der leichte Baumwollstoff mit den hübschen Blumen drauf wollte ich gerne vernähen. Zumal noch kein Projekt dafür vorgemerkt war und ich genau solche Stoffe die ich ohne große Ideen gekauft hatte, weil sie hübsch sind etc etc ihr wisst schon, gerne verarbeiten möchte bevor sie Wurzeln im Stash schlagen und zum Ballast werden.

Ich habe so ein paar Stoffe, die ich vor Jahren gekauft hatte weil sie mir gefallen hatten, ich aber jetzt nicht mehr weiß was ich damit machen soll, da sich mein Anspruch und Geschmack geändert haben.
Aber das sollte mit dem Stoff nicht passieren. Ich meine, guckt doch mal wie hübsch der ist!
Der Hauptteil des Kleides sollte also dieser hübsche luftige Baumwollstoff werden. Bei der Auswahl des Stoffes für die Schulterpartie habe ich mir allerdings ein dickes Ei gelegt.
Ich wollte keine große Kontrastfarbe wählen und beim durchgehen meines Stoffvorrates fand ich einen schwarzen Viskosecrepe. Wunderschön luftig leicht, schöne weiche Haptik und elegantes mattes Schwarz. Absoluter Treffer. Die Verarbeitung? Ein Albtraum.
Man musste ihn nur etwas streng angucken und er hat sich in alle Richtungen verzogen und tanzte buchstäblich Samba um meine Schere. Ich hatte noch nicht mal die Hälfte der Teile ausgeschnitten, da wusste ich, das wird wild. So wild eigentlich, das ich die Weiterverarbeitung erstmal stoppte und mir eine leichte Bügeleinlage bestellt hatte.
Die Bügeleinlage hat zum Glück geholfen, auch wenn Spuren davon auf meinen Bügelbrett und meiner Seele zurück blieben.
(Ich bin kein Fan von Bügeleinlagen und vermeide Sie nicht nur zu einen kleinen Teil aus trotzigen Prinzip. Auch wenn ich anerkenne, das sie ihre Daseinsberechtigung haben.)

Die Schulterpartie hat ein paar schicke geometrische Details, die ich ohne die Einlage mit diesem Stoff so nicht hinbekommen hätte. Der Kampf mit dem Material ist allerdings noch etwas sichtbar. So ganz zufriedenstellend symmetrisch ist es nicht und ärgert zumindest meinem kritischen Blick. (Über die glänzenden Stellen, durch unvorsichtiges bügeln, hülle ich hier mal den Mantel des Schweigens. Das gleiche gilt für die kleine Stelle wo die -zum Glück dunkle- Einlage vor blitzt auch. Ach ja…)

Die Schulterpartie wird über den Brustabnähern angenäht. Aus weißer Voraussicht und nach einigen unbeholfenen halten der Papierschnittteile an meinem Körper, habe ich das Armloch etwas vergrößert. Ich habe lediglich am oberen Rand des Kleidteiles noch ca 2-3cm dazu gegeben um mir da etwas mehr Raum zu lassen. Der war auch echt nötig. Die Anpassung muss auch bei den Belegen vorgenommen werde, aber da hab ich wohl etwas geschludert und es hat nicht ganz so gepasst. Aber da die Schulterpartie auch eher so Pi-mal-Daumen-mal-Augen-zu-und-durch ist, habe ich da auch etwas zurecht gefriemelt.
Während die Schulterpartie einwenig Geschickt verlangt, ist der Rest schnell gemacht. Ein paar Abnäher und die Seiten mehr oder weniger gerade runter zusammen nähen. Fehlt dann nur noch der untere Saum und man hat ein luftiges Kleidchen.

Trotz der teilweise schwierigen Stoffauswahl und der damit verbundenen latenten Lebenskrise, finde ich es sehr gelungen. Es ist luftig und schwingt, simple und auch wieder raffiniert. Ich freu mich schon darauf bei wärmeren Wetter das Kleidchen auszuführen. Vielleicht nähe ich noch einen einfachen Stoffgürtel zum binden, um es noch etwas flexibler gestalten zu können.
Es hat sogar Taschen! Gut, bei den leichten Stoff würde ich jetzt nicht das dicke Handy oder einen großen Schlüsselbund reinstecken, aber ein Taschentuch oder ein paar Euro für ein Eis braucht man immer.
Ich werde den Schnitt vielleicht noch einmal machen. Er war simple und relativ schnell umgesetzt und macht auch was her. Allerdings würde ich auf den Viskosecrepe in Zukunft gerne verzichten.
Ich hab noch so einige Stöffchen bei mir im Schrank, mit und ohne Projekt bereits im Hinterkopf. Ich freu mich, wenn ihr mich auf weiteren Nähabenteuern begleitet.
Das nächste Projekt ist bereits auf der Zielgeraden. Diesmal ist es keine Kleidung, also lasst euch überraschen.
Die Mietzen und ich wünsche euch einen schönen Feiertag.
Euro Rose.
Das Schnittmuster: „Given a Chance Dress“ von Decades of Style. US Schnittmusterherrsteller, daher nur in Englisch. E-Pattern selbst gekauft.
Die Stoffe: geblümter Baumwollstoff von Naturstoff.de, schwarzer Viskosecrepe aus Auflösungsverkauf eines lokalen Stoffladens. Beide Stoffe selbst gekauft.




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